• Flexible Grundschule

Die "Flexible Grundschule"

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An der Grundschule Neukeferloh gibt es jahrgangsgemischte Klassen sowohl im Rahmen der „Flexiblen Eingangsstufe“ in den Jahrgangsstufen 1 und 2 als auch in der 3. und 4. Jahrgangsstufe.

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Kinder durch vielfältige Arbeits- und Unterrichtsformen lernen, sich selbständig Wissen anzueignen und durch entsprechende Materialien und Angebote angeregt selbstgesteuert und individuell ihre Lernprozesse initiieren. Daher entscheiden die Kinder mit, welche Aufgaben zu welcher Zeit, mit welchem Tempo, mit welchen Mitteln und Methoden bearbeitet werden. Dadurch gestalten alle ihre Lernprozesse vermehrt mit dem Ziel eine anhaltende Motivation, Selbständigkeit, Zielstrebigkeit, Ausdauer und ein rücksichtsvolles Zusammenleben im Lebensraum Schule anzubahnen und zu fördern. Durch die geringe Anzahl an Differenzierungsstunden und der damit verbundenen Verfügbarkeit ausschließlich einer Betreuungsperson werden diese Fähigkeiten auf jeden Fall geschult.

Die Lernenden sollen die Chance haben die in der jeweiligen Jahrgangsstufe zu erwerbenden Kompetenzen zu erreichen, erhalten aber gleichzeitig die Möglichkeit ihren spezifischen Begabungen entsprechende zusätzliche Aufgaben wahrzunehmen und dadurch ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern. Andererseits können manche durch Angebote der niedrigeren Jahrgangsstufe Rückstände aufholen und Grundlagen festigen.

Das Selbstwertgefühl und die Entwicklung der Persönlichkeit werden durch ein Patensystem gestützt. Dabei werden Tandems aus beiden Jahrgangsstufen gebildet, was - bedingt durch den Aufstieg in die nächsthöhere Jahrgangsstufe und den damit verbundenen Rollenwechsel – allen im Laufe der Zeit verschiedene Positionen innerhalb des Systems ermöglicht. So erfahren die Erst- und Drittklässler Schutz und Sicherheit sowie die Einführung in Gepflogenheiten der neuen Klassengemeinschaft durch die Zweit- und Viertklässler, die ihnen Unbekanntes erklären und sie in fremde Strukturen einweisen. Außerdem stehen den Neuen durch die Mitschüler vielfältige Möglichkeiten der Förderung zur Verfügung, ohne die Lehrkraft zu Rate zu ziehen. Dies stärkt das Verantwortungsbewusstsein und die Hilfsbereitschaft der älteren Kinder. Jahrgangskombinierte Klassen ermöglichen dadurch leichter leistungsschwächeren Kindern positive Lernerfahrungen und sie stärken dadurch ihr Selbstbewusstsein, weil sie später auch in die Rolle des Unterstützers schlüpfen. In der Abgrenzung erkennen sie ihren eigenen Lernfortschritt und erfahren somit eine Stärkung der eigenen Persönlichkeit.

Jahrgangskombinierte Klassen fördern die Teamfähigkeit, da in sehr unterschiedlich strukturierten Gruppen gelernt werden kann. Dies trägt auch dazu bei vermehrt Stärken und Schwächen anderer Menschen zu akzeptieren und die Klassenkameraden in ihrer Vielfältigkeit zu respektieren. Auch soziale Fähigkeiten wie Geduld, Toleranz oder die konstruktive Bearbeitung von Konflikten werden geschult, weil sie für ein gedeihliches, friedliches Zusammenleben unverzichtbar sind. Dabei lernen alle Kinder voneinander, unabhängig von der Jahrgangsstufe. Die Lehrerin tritt vermehrt in positiver Weise in den Hintergrund. Diese Zeit benötigt sie allerdings für andere Tätigkeiten, wie beispielsweise die Beobachtung der Lernfortschritte, der Förderung einzelner Kinder oder kleiner Gruppen sowie der Bereitstellung geeigneter Materialien. Ein umfangreiches, differenziertes Angebot ist die Voraussetzung, damit Wissenserwerb und Kompetenzerweiterung in selbstgesteuerten Lernprozessen stattfinden können. Dabei kommt es auf eine gut strukturierte Präsentation an, damit die Kinder sinnvolle Entscheidungen treffen können, welche Aufgaben für sie in ihrer jeweiligen Lernausgangslage geeignet sind.

Durch die Unterstützung von Klassenkameraden und gemeinsam erlebte Lernprozesse können Schulkinder ihre eigenen Fähigkeiten sowie ihren Lernzuwachs besser einschätzen. Sie werden motiviert zu helfen, wobei sie eine Anleitung brauchen, damit diese Hilfe zielgerichtet und wirksam, aber nicht vorwegnehmend und erniedrigend ist. Auf diese Weise baut sich ein differenziertes, empathisches Empfinden im Laufe der Zeit auf. Ältere Kinder reflektieren gleichzeitig ihr Wissen und festigen es, indem sie es verbalisieren.

Altersgemischte Gruppen sind den Einzuschulenden aus dem Kindergarten bekannt. Durch das Lernen am Modell entwickeln die Kinder sowohl regelkonformes Verhalten in sozialer Hinsicht sowie bezüglich der Lern- und Arbeitstechniken.

Die Selbständigkeit und das Zutrauen in eigene Ressourcen werden mobilisiert, wenn die Lehrerin zeitweise nicht zur Verfügung steht, da sie mit einer anderen Gruppe beschäftigt ist. In derlei Situationen ist es wichtig zu wissen, wer unterstützend zur Seite stehen kann. Offene Unterrichtsformen leisten einen wertvollen Beitrag zur Selbständigkeit.

Die Schülerinnen und Schüler finden sich durch einen häufigen Wechsel der Lerngruppen und Lernpartner immer wieder in neue Rollen ein.

Da die gesamte Palette der Inhalte aus zwei Jahrgangsstufen präsent ist, besteht die Möglichkeit in den einzelnen Fächern auf verschiedenen Schwierigkeitsniveaus zu arbeiten. Dies dient dem Erhalt der Motivation und der begabungsgerechteren Förderung sowie der Abnahme an frustrierenden Erlebnissen durch ausbleibende Misserfolge.

Die flexible Eingangsstufe kann in ein bis drei Jahren durchlaufen werden, abhängig vom individuellen Lernfortschritt. In der Regel verbleiben die Kinder zwei Jahre. Sowohl bei der ein- als auch bei der dreijährige Verweildauer ist immer ein Teil der Lerngruppe bekannt.

Zusammenfassende Beurteilung der jahrgangskombinierten Klassen

Durch ein installiertes Patenschaftssystem erhält jedes Kind zu Schulbeginn eine bestimmte Mitschülerin bzw. einen bestimmten Mitschüler zugeteilt, die / der ihm bei der Eingewöhnung in den neuen Lebensraum hilft und für ein Jahr auch Ansprechpartner / in während des Unterrichts ist. Dadurch fühlt sich das jüngere Kind beschützt und sicherer, das ältere Kind wird gestärkt und soziale Kompetenzen wie Rücksicht, Zuverlässigkeit, Toleranz, Empathie, Geduld und Verantwortungsgefühl werden gefördert und gefestigt. Günstig ist dafür eine ausgewogene Anzahl von Kindern in den beteiligten Jahrgangsstufen.

Die Lehrerin tritt in positiver Weise vielfach in den Hintergrund und nimmt vermehrt die Rolle der Lernbegleiterin ein. Die veränderte Rolle macht sie zur Beobachterin von Lernprozessen, um steuernd einzugreifen, wenn Schwierigkeiten auftreten. Es ist ebenfalls ihre Aufgabe, dass gut begabte Kinder ihren Möglichkeiten entsprechend vorankommen und sie muss verhindern, dass diese nicht nur in die Begleitung der Jüngeren investieren und ihre eigenen Belange vernachlässigen. Die Lehrkraft muss die adäquate Förderung und Forderung aller im Blick haben, geeignetes Material bereit stellen, strukturierte Lernprozesse anleiten und gemeinsame Phasen des Unterrichts planen. Die Führung einer jahrgangsgemischten Klasse erfordert einen deutlich erhöhten Mehraufwand für die unterrichtenden Lehrkräfte. Eine ausreichende Anzahl von Differenzierungsstunden zur Unterstützung aller ist wünschenswert.

Um Lerndefizite zu vermeiden, ist phasenweise die Trennung in homogene Gruppen unerlässlich, wie z.B. im Fach Mathematik während der 3. und 4. Jahrgangsstufe.

Jahrgangskombinierte Klassen bzw. die flexible Eingangsstufe sind besonders für Kinder geeignet, die eigenverantwortlich arbeiten, aus einem Angebot für sich Passendes auswählen können, über eine gute Konzentrationsfähigkeit sowie Eigenaktivität verfügen und die Fähigkeit zur zielgerichteten Selbststeuerung besitzen. Eine zweite Gruppe bilden Kinder mit sehr unterschiedlichen Leistungen in den Fächern Deutsch und Mathematik, da sie je nach Lernstand und Begabung die Angebote beider Jahrgangsstufe nutzen können.

Um in sämtlichen Klassen eine Heterogenität zu gewährleisten, ist es nicht möglich alle leistungsstarken Kinder in den jahrgangskombinierten Klassen zu sammeln.

Eine Jahrgangsmischung hat heutzutage auf Grund der Vielfalt der Kinder in jeder Beziehung auf jeden Fall dort ihren Platz, wo es um die Erhaltung eines Schulstandortes geht, um lange Schulwege zu verhindern. Sie ist auch ein Mittel, um in Zeiten von Lehrerknappheit die Bildung von extrem kleinen Klassen zu vermeiden.

An der Grundschule Neukeferloh gibt es sowohl jahrgangskombinierte Klassen als auch jahrgangsreine Klassen. Sie wurden hier im Rahmen des pädagogischen Konzepts ins Leben gerufen.

Der ursprüngliche Gedanke, damit auch einen zweiten Einschulungstermin während eines Schuljahres zu schaffen, ist aus schulorganisatorischen Gründen äußerst schwierig und daher verworfen worden.

Kriterien für die Auswahl der Kinder

Nach Möglichkeit wird auf ein ausgewogenes zahlenmäßiges Verhältnis von Erst- und Zweitklässlern bzw. Dritt- und Viertklässlern geachtet. Durch Umzüge oder die ein- bis dreijährige Verweildauer kommt es zu Abweichungen. Im Laufe der folgenden Jahre wird versucht wieder ein Gleichgewicht herzustellen.

Ausschlaggebend für die Anzahl der aufzunehmenden Kinder ist die Anzahl der Einzuschulenden, die gleichmäßig auf alle zu bildenden Klassen gemäß den Richtzahlen aufgeteilt werden. So ergeben sich Schwankungen bei den Klassengrößen. Nachdem auf Grund dessen die Anzahl der zu vergebenden Plätze ermittelt wurde, ist der Elternwille das erste zu berücksichtigende Kriterium. Grundsätzlich gibt es nur wenige Kinder, die ungeeignet sind, z.B. wenn sonderpädagogischer Förderbedarf vorliegt oder bei einem Kind große Konzentrationsprobleme bereits im Kindergarten auffallend sind. Besonders gut geeignet sind sehr selbständige Kinder, die sich sehr gut konzentrieren können. Beobachtungen während des Screenings bei der Schuleinschreibung und Gespräche mit den Erzieherinnen der Kinder geben Anhaltspunkte bei der Entscheidung.

Wenn zu viele Anmeldungen vorliegen, entscheidet das Losverfahren, das von Lehrerinnen durchgeführt wird, die nicht in den jahrgangskombinierten Klassen unterrichten.

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